Unternehmertypen – Selbständige, Solopreneuere, Unternehmer

November 08, 2020Melanie Retzlaff
Unternehmertypen

Wer beim Finanzamt anmeldet, dass er fortan auf Rechnung arbeitet, ist damit noch lange kein Unternehmer. Viele Menschen verwenden die Begriffe „selbständig“, „freiberuflich“, „solopreneurial“ oder „unternehmerisch“ synonym, obwohl sich dahinter ganz unterschiedliche Realitäten verbergen. Jede dieser Rollen hat eigene Chancen, Herausforderungen und typische Grenzen. Um langfristig wachsen zu können, ist es wichtig zu verstehen, wo man aktuell steht und wohin man sich entwickeln möchte.

Dieser Artikel bietet eine klare Unterscheidung zwischen drei Typen: dem Selbständigen, dem Solopreneur und dem Unternehmer. Er zeigt, wie sie arbeiten, welche Vorteile sie genießen und wo die jeweiligen Fallstricke liegen. Gleichzeitig wird deutlich, wie sich die Rollen voneinander unterscheiden und warum der Übergang von einer Stufe zur nächsten nicht automatisch geschieht, sondern immer bewusste Entscheidungen erfordert.

Der Selbständige – das System bist du

Der Selbständige ist der Ursprung aller unternehmerischen Bestrebungen. Er bietet seine persönliche Arbeitskraft an und tauscht in der Regel Zeit gegen Geld. Ob virtuelle Assistenz, Texter, Grafikdesigner oder hochspezialisierter Unternehmensberater: Der Wert entsteht unmittelbar durch die Tätigkeit der Person. Wenn der Selbständige arbeitet, fließt Geld. Wenn er nicht arbeitet, steht das System still.

Für viele Menschen ist diese Form des Arbeitens attraktiv, weil die Einstiegshürden gering sind. Man benötigt kein komplett ausgereiftes Geschäftsmodell, sondern lediglich eine Fähigkeit, die andere Unternehmen benötigen. Das Wissen wächst mit jedem Auftrag, denn häufig lernt der Selbständige direkt an konkreten Projekten, die ihm seine Auftraggeber zutrauen. Diese Auftraggeber sorgen nicht selten selbst für Weiterentwicklung, indem sie neue Aufgabenstellungen oder Werkzeuge einführen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität. Wer selbständig arbeitet, lernt Märkte, Zielgruppen und Bedarfe sehr schnell kennen. Die Rückmeldungen sind unmittelbar, und viele Selbständige profitieren davon, mit wenigen Kunden langfristig zusammenzuarbeiten. Dadurch müssen sie weder große Marketingkampagnen aufsetzen noch komplexe Vertriebssysteme aufbauen, denn oft reichen zwei bis fünf regelmäßige Auftraggeber, um ein stabiles Einkommen zu erzielen. Die Bezahlung erfolgt meist monatlich, andernfalls innerhalb kurzer Fristen, sodass finanzielle Planbarkeit möglich ist.

Allerdings hat die Selbständigkeit auch deutliche Nachteile. Am stärksten ins Gewicht fällt die Zeit-gegen-Geld-Falle. Da der Wert ausschließlich durch die eigene Arbeitszeit entsteht, gibt es kaum Chancen, skalierbare Hebel zu nutzen. Das bedeutet auch, dass der Konkurrenzdruck steigt, insbesondere bei Stundenpreisen, die sich nach unten hin leicht unterbieten lassen. Hinzu kommt die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden. Wenn ein Kunde mehr als dreißig Prozent der Einnahmen ausmacht, kann eine einzige Vertragskündigung das gesamte System zum Einsturz bringen.

Auch die Sicherheit ist begrenzt. Im Vergleich zum Angestelltenverhältnis gibt es keine Garantie für kontinuierliche Einnahmen. Projekte können abrupt enden. Zudem wird die Arbeit mit zunehmendem Alter oft anstrengender, weil das Einkommen am eigenen Einsatz hängt. Ein Bild, das diesen Zustand gut beschreibt, ist das des Wassereimerträgers: Man trägt täglich Wasser, anstatt in den Bau einer Wasserleitung zu investieren. Die Umsätze bewegen sich in vielen Fällen zwischen dreißig­fünftausend und achtzigtausend Euro jährlich, was solide, aber kaum skalierbar ist.

Der Solopreneur – Arbeiten mit Hebelwirkung

Der Solopreneur unterscheidet sich vom Selbständigen dadurch, dass er beginnt, Hebel einzubauen. Er identifiziert Möglichkeiten, mehr Umsatz zu erzielen, ohne dass der eigene Einsatz proportional steigen muss. Der wichtigste Schritt dabei ist die Entwicklung eines klaren, standardisierten Angebots. Statt ständig individuelle Leistungen zu erbringen, baut der Solopreneur etwas, das wiederholbar, skalierbar und teilweise automatisierbar wird.

In diesem Modus entsteht erstmals die Chance auf passives Einkommen oder zumindest einkommensähnliche Strukturen, die auch dann weiterlaufen, wenn der Solopreneur nicht aktiv anwesend ist. Trotzdem bauen viele Solopreneure eine Personal Brand auf, die eng mit ihrer Person verbunden ist. Dadurch bleibt das Unternehmen in vielen Fällen stark von ihnen abhängig und ist nur schwer verkäuflich. Es handelt sich um ein System mit Leverage, aber weiterhin mit persönlicher Bindung.

Zu den Vorteilen des Solopreneurs gehört, dass die Zeit-gegen-Geld-Falle weitgehend überwunden ist. Da das Angebot standardisiert ist, lassen sich Umsatz und Kapazität voneinander trennen. Der Solopreneur ist außerdem unabhängiger von einzelnen Großkunden, da sein Geschäftsmodell breiter aufgestellt ist. Gleichzeitig bleiben die Strukturen überschaubar und einfach. Der Solopreneur trägt Verantwortung nur für sich selbst und kann aus diesem Grund ein Lifestyle-Business erschaffen. Modelle wie die berühmte Vier-Stunden-Woche sind in dieser Phase tatsächlich möglich, wenn die Hebel gut gesetzt sind und die Automatisierung funktioniert.

Doch auch der Solopreneur stößt an Grenzen. Die Skalierung ist nur bis zu einem gewissen Punkt möglich. Viele Solopreneure bewegen sich zwischen achtzigtausend und dreihunderttausend Euro Umsatz im Jahr. Um darüber hinaus zu wachsen, müsste das System noch stärker von der eigenen Person gelöst werden. Zudem braucht ein Solopreneur hervorragende Kenntnisse in Marketing und Vertrieb, denn sein Erfolg hängt nicht mehr nur von guter Arbeit, sondern auch von der Sichtbarkeit und Nachfrage nach seinem Angebot ab. Wenn das Geschäftsmodell auf einer Personal Brand basiert, bleibt die Frage der Verkäuflichkeit problematisch, da das Unternehmen ohne die Person an Wert verliert.

Der Unternehmer – ein System, das ohne dich funktioniert

Der Unternehmer markiert die nächste Entwicklungsstufe. Er baut ein System, das vollständig außerhalb seiner Person existiert. Menschen, Strukturen, Prozesse und Finanzhebel arbeiten zusammen und erzeugen Wert, ohne dass der Unternehmer selbst operativ tätig ist. Der Unternehmer arbeitet am System, nicht im System. Das Ergebnis kann eine enorme Skalierung sein, oft begleitet von hohen Mitarbeiterzahlen, erheblichen Budgets und großem Einfluss.

Die Vorteile eines Unternehmermodells liegen klar auf der Hand. Erst hier sind Millionenumsätze realistisch. Das Unternehmen hat die Kapazität, große Projekte umzusetzen und erhebliche gesellschaftliche Wirkung zu erzeugen. Arbeitsplätze entstehen, Innovationen werden vorangetrieben und Probleme in großem Stil gelöst. Für viele ist dies die höchste Form unternehmerischer Verwirklichung.

Doch diese Stufe bringt auch deutliche Nachteile mit sich. Große Unternehmen wachsen in ihrer Komplexität, und mit der Größe geht oft Agilität verloren. Entscheidungen werden langsamer, Verantwortung verteilt sich auf viele Schultern, und der Unternehmer trägt die Gesamtlast für Strategie, Kultur, Risiken und langfristige Entwicklung. Bis ein Unternehmen ohne die Person funktioniert, vergehen häufig viele Jahre. Ein langer Atem ist unabdingbar. Kommen Investoren hinzu, steigt das Wachstumspotenzial, aber der Unternehmer gibt gleichzeitig ein Stück seiner Autonomie ab.

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